{"id":10918,"date":"2019-06-12T09:20:52","date_gmt":"2019-06-12T08:20:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/?p=10918"},"modified":"2019-06-12T10:15:50","modified_gmt":"2019-06-12T09:15:50","slug":"olivenoelbetrug-vogelsterben-und-das-vorhaben-von-aldi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/olivenoelbetrug-vogelsterben-und-das-vorhaben-von-aldi\/","title":{"rendered":"Oliven\u00f6lbetrug, Vogelsterben und das Vorhaben von Aldi"},"content":{"rendered":"<p>Wendepunkte deuten sich zumeist weitgehend unbemerkt an, auch weil einzelne Ereignisse nicht in ihrem Zusammenhang wahrgenommen und erkannt werden. Drei Ereignisse dieser Bedeutung entnahm ich im letzten Monat den Medien.<\/p>\n<p>Der erneute Oliven\u00f6lskandal und Millionenbetrug, bei dem modifiziertes Soja- und Sonnenblumen\u00f6l lange Zeit unentdeckt als Natives Oliven\u00f6l Extra in Italien und Deutschland verkauft wurde.<br \/>\nStern-online schrieb \u00fcber ein millionenfaches Sterben von Singv\u00f6geln durch die n\u00e4chtliche Ernte mit Erntemaschinen im industriellen Sektor der Olivenlandwirtschaft.<br \/>\nUnd die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet auf ihrer Unternehmensseite, dass Aldi zum f\u00fchrenden H\u00e4ndler f\u00fcr Bio-Produkte mit einer F\u00fchrerschaft der Discountpreise werden will \u2026<\/p>\n<p>Zum Oliven\u00f6lbetrug erhielten wir wenige Zuschriften, sehr viele zum Vogelsterben und gar keine zum Vorhaben von Aldi.<\/p>\n<p>Es gibt nur noch wenige Bereiche in der Ern\u00e4hrungswirtschaft, in denen die Erzeuger selbst \u00fcber den Preis der Waren entscheiden k\u00f6nnen. Die Handelsgrossisten geben sie heute als Niedrigstpreise vor und die Erzeuger m\u00fcssen ihre \u201ewahren\u201c Kosten entsprechend anpassen. Kleinere Betriebe schaffen dass oft nur durch Selbstausbeutung, und gr\u00f6\u00dfere durch die Umstellung auf industrielle Landwirtschaft.<\/p>\n<p>Mit der Biobewegung waren wir vor \u00fcber vierzig Jahren angetreten, nicht mehr gegen, sondern mit der Natur zu leben, was unabdingbar auch mit dem Erhalt einer kleinteiligeren Landwirtschaft und mit fairen Tauschbeziehungen zwischen Produzenten und Konsumenten verbunden ist. Schon fr\u00fch gab es kritische Stimmen, dass ein Bio-Boom das Erreichte auch wieder schleifen k\u00f6nnte, wenn die konventionelle Wirtschaft sich dieser Sache bem\u00e4chtigen w\u00fcrde. In der Werbung f\u00fcr Bio-Produkte stehen immer noch verkl\u00e4rt romantische Bilder im Vordergrund, von gl\u00fccklichen K\u00fchen und Bauern auf einer bl\u00fchenden Wiese. Dass Bio auch als industrielle Landwirtschaft betrieben werden kann und wird, das k\u00f6nnen oder wollen sich viele gar nicht vorstellen. Setzt sich aber der Niedrigstpreis als Ma\u00dfstab der Produktion auch im Biobereich durch, k\u00f6nnen auch Bio-Produzenten nicht anders als ihre konventionellen Kollegen darauf reagieren. \u201eWachse oder weiche\u201c ist dort seit Jahrzehnten die Maxime, mit all den Umwelt- und Klimafolgen, \u00fcber die aktuell debattiert wird. Daran l\u00e4sst sich jetzt auch gut studieren, wie schwer es sowohl f\u00fcr die Einzelnen als auch f\u00fcr das ganze System ist, diesen Weg wieder zu verlassen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-10931\" src=\"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Erntemaschine.jpg\" alt=\"\" width=\"690\" height=\"170\" srcset=\"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Erntemaschine.jpg 690w, https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/Erntemaschine-350x86.jpg 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 690px) 100vw, 690px\" \/><\/p>\n<p>Es wird Wunschdenken bleiben, dass Aldi hier mit einer Preisf\u00fchrerschaft das Durchsetzen von objektiven und fairen Preisen unter Einbeziehung der Umwelt- und Klimaaspekte meinen k\u00f6nnte. Sie stehen ihrerseits im Wettbewerb mit anderen Discountern um die niedrigsten Preise. Wenn sich Bio nicht als konventionell betriebene industrielle Landwirtschaft durchsetzen soll, dann werden das am wirksamsten die Konsumenten mit ihrem Einkaufsverhalten aufhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ja, mit einer auf Maschineneinsatz angelegten Oliven\u00f6lplantage, auf der in langen Reihen die Olivenb\u00e4ume bis zum Horizont als dicht gepflanzte Hecken stehen, die dann wegen der K\u00fchle bei Nacht mit Stelzentraktoren abgeerntet werden, l\u00e4sst sich das auch \u201ein Bio machen\u201c. Und nat\u00fcrlich w\u00fcrde ein Oliven\u00f6l durch die Ersetzung der menschlichen Arbeit und dem Verzicht auf sorgsame Pflege der Natur zu betriebswirtschaftlich g\u00fcnstigeren Kosten erzeugt werden. Allein, es ist eine Illusion, dass dann bei der Bio-Ernte ein Naturfreund vor den Erntemaschinen herlaufen w\u00fcrde, um die darin schlafenden Singv\u00f6gel rechtzeitig zu wecken und zu verscheuchen. Es darf also bezweifelt werden, dass der Erfolg einer Markt- und Preisf\u00fchrerschaft der Discounter als Erfolg der Biobewegung zum Schutz unseres Planeten verbucht werden k\u00f6nnte. Die volkswirtschaftlichen Kosten bleiben weiter au\u00dfen vor, werden ignoriert oder auf Umwegen \u00fcber h\u00f6here Geb\u00fchren, Abgaben und Steuern von uns allen getragen.<\/p>\n<p>Die Frage &#8222;Was f\u00fcr ein Bio wollen wir?&#8220; ist also aktueller als allgemein wahrgenommen wird. Im bisherigen Wirken werden wir uns zusammen mit unseren Partnern und Oliviers in den bisherigen Zielen der Solidarischen Landwirtschaft treu bleiben. Dass wir es damit zu schnellen Erfolgen in der Abkehr von den Irrwegen schaffen, da bleiben wir skeptisch und realistisch. Es bleibt ein z\u00e4hes Ringen, f\u00fcr das noch viele Mitstreite\/innen ben\u00f6tigt werden.<\/p>\n<p><em>Conrad B\u00f6licke<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wendepunkte deuten sich zumeist weitgehend unbemerkt an, auch weil einzelne Ereignisse nicht in ihrem Zusammenhang wahrgenommen und erkannt werden. Drei Ereignisse dieser Bedeutung entnahm ich im letzten Monat den Medien. Der erneute Oliven\u00f6lskandal und Millionenbetrug, bei dem modifiziertes Soja- und Sonnenblumen\u00f6l lange Zeit unentdeckt als Natives Oliven\u00f6l Extra in Italien und Deutschland verkauft wurde. 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