{"id":208,"date":"2012-02-24T02:58:30","date_gmt":"2012-02-24T01:58:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/?p=208"},"modified":"2013-10-28T13:14:09","modified_gmt":"2013-10-28T12:14:09","slug":"quo-vadis-olivenoel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/quo-vadis-olivenoel\/","title":{"rendered":"Quo vadis Oliven\u00f6l?"},"content":{"rendered":"

Einen Tag nach meinem Abflug von Heraklion nach Athen fuhren kretische Bauern mit ihren Traktoren auf das Rollfeld des Insel-Flughafens und hielten es f\u00fcr drei Tage besetzt. Andere Landwirte sperrten derweil mit ihren Traktoren die Nationalstra\u00dfen von Athen nach Thessaloniki. Nahezu gleiche Aktionen hatte ich bereits im Dezember in Apulien erlebt. Das Vorgehen hatte mich an den Milchstreik hiesiger Landwirte erinnert. Ausl\u00f6ser sind in allen diesen F\u00e4llen die dramatisch gefallenen Abnahmepreise. Erzielten die Olivenanbauer vor drei Jahren in Apulien noch bis zu 4,50 Euro f\u00fcr ein Kilo natives Oliven\u00f6l, so sank der Preis jetzt auf ruin\u00f6se 2,70 Euro, in Griechenland von 3,50 auf 2,05 Euro. Was sind die Ursachen f\u00fcr die fallenden Preise? Handelt es sich hierbei um (bedauerliche) Auswirkungen der \u201aMarktmechanismen\u2019, oder haben Oliven\u00f6l-Mafiosi ihre H\u00e4nde im Spiel, wie viele Landwirte denken?<\/em><\/p>\n

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\u201eAldi diktiert die Preise\u201c<\/h3>\n

titelt das Magazin \u201eStern\u201c in seiner Ausgabe 6\/2009 und benennt damit ein St\u00fcck der heutigen Wirklichkeit. Es wird mit der Hoffnung auf blo\u00dfe \u201eMarktschwankungen\u201c aufger\u00e4umt. So senkt Aldi unter anderem dauerhaft den Preis f\u00fcr 750ml Natives Oliven\u00f6l Extra (?!) von 3,19 auf 2,79 \u20ac.
\nEtwas Grundlegendes \u00e4ndert sich beim Oliven\u00f6l in einem Prozess, der sich in anderen Branchen l\u00e4ngst durchgesetzt hat. Erzeuger haben keinen Einfluss mehr auf die Wertbestimmung ihrer Arbeit. Um Erzeugern diesen Einfluss zu nehmen, bedarf es dreier wichtiger Voraussetzungen: Gro\u00dfe Aufk\u00e4ufer oder H\u00e4ndler muss es geben, die ihre Marktstellung durch die Beherrschung der Transportwege, strategischer Lagerreserven und der Warenverteilung erreichen. Strategische Lagerreserven werden ben\u00f6tigt, um Angebotsschwankungen auf der Erzeugerseite auszugleichen, aber auch, um damit Erzeuger antizyklisch unter Preisdruck zu setzen. Zum Beispiel kann man tief gefrorene Schweineh\u00e4lften immer dann auf den Markt werfen, wenn die Tiere bei den Schweinz\u00fcchtern die Schlachtreife erreichen, also die Angebotsmenge zunimmt. Mit Tiefk\u00fchlh\u00e4usern lassen sich Marktpreise unabh\u00e4ngig von nat\u00fcrlichen Zusammenh\u00e4ngen des Angebots und der Nachfrage steuern und auch manipulieren. Beim Oliven\u00f6l gelang es bisher nicht recht, strategische Lagerreserven aufzubauen, weil Oliven\u00f6le durch ihre nat\u00fcrliche Alterung wenig dazu geeignet sind. Aus den j\u00e4hrlichen Preisschwankungen konnte man daher mehr oder weniger direkt auf eine gute oder schlechte Ernte schlie\u00dfen. Eine gute Ernte lie\u00df die Preise fallen, und eine magere sie steigen.<\/p>\n

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Oliven\u00f6l und Betrug im Wandel der Zeit<\/h3>\n

Vorwiegend italienische Oliven\u00f6l-Gro\u00dfh\u00e4ndler gingen, um \u00fcber marktbeherrschende Mengen zu verf\u00fcgen, oft unlautere Wege. Mit \u2013 aus heutiger Sicht \u2013 nahezu archaisch anmutenden Methoden betrogen sie auf unterschiedliche Weise. Preislich g\u00fcnstigere griechische und spanische Oliven\u00f6le wurden als teure italienische \u00d6le umdeklariert oder verschnitten. Tankschiffe wurden mit billigem tunesischem Oliven\u00f6l durch mehrere europ\u00e4ische H\u00e4fen geleitet, bis die Frachtpapiere das \u00d6l als Erzeugnis aus dem EU-Raum auswiesen. Es wurden griechische Oliven\u00f6le mit billigem t\u00fcrkischen Sonnenblumen- oder Haselnuss\u00f6l vermischt, und es wurden verdorbene Oliven\u00f6le in Autoklaven bei 60\u00b0C \u201eschonend\u201c ged\u00e4mpft, so dass sie, zus\u00e4tzlich deodoriert, wieder halbwegs passabel schmeckten. F\u00fcr all diese Delikte haben Firmenbosse bekannter italienischer Oliven\u00f6lmarken Strafen erhalten und z. T. auch im Gef\u00e4ngnis abgesessen. Geholfen hat das wenig, die Gewinnspannen sind zu gro\u00df, nur beim Rauschgift gelten sie als noch h\u00f6her. Daher werden solche Praktiken nicht einfach der Vergangenheit angeh\u00f6ren.
\nEs zeichnet sich jedoch ein Wandel ab, der aus Erzeuger- und Verbrauchersicht aber keine Besserung bedeuten wird. \u201eModern\u201c denkende Investoren aus Spanien haben in den letzten drei Jahren nahezu alle bekannten italienischen Oliven\u00f6l-Marken aufgekauft. Ihnen gelten die Wege des archaischen Betruges als nicht zeitgem\u00e4\u00df. F\u00fcr ihre Absichten gibt es heute zivilere, legale Mittel.<\/p>\n

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Exkurs:\u00a0Kosten der Oliven\u00f6lerzeugung
\nam Beispiel des arteFakt-Patenschafts-Olivenhains Palombaio No.1<\/em><\/h3>\n

Die Olivenernte 2008\/9 der 200 Olivenb\u00e4ume des Landschaftsmuseums erbrachte mit 250 Litern \u00d6l ein eher mageres Ergebnis. W\u00e4hrend der Bl\u00fctezeit im M\u00e4rz gab es einen Frosttag, der die Bl\u00fcten dezimierte. Im extrem hei\u00dfen Sommer mit einer langen Periode ohne Regen warfen die B\u00e4ume zum ihrem Schutz dann noch viele Oliven ab. Die geringe Menge und das langsame Wachstum der Oliven beg\u00fcnstigten aber die aromatische Auspr\u00e4gung und ergaben ein im Charakter eher sanftes Oliven\u00f6l.<\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n
Externe Kosten der Oliven\u00f6lerzeugung 2008: <\/em><\/td>\n<\/tr>\n
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EU B\u00fcrokratie<\/td>\n70,00 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n
Bodenbearbeitung<\/td>\n107,00 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n
Wettkampf mit Feinden der Olive<\/td>\n226,00 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n
D\u00fcnger<\/td>\n182,00 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n
Baumpflege und -schnitt<\/td>\n424,00 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n
Bew\u00e4sserung<\/td>\n328,00 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n
Lohnkosten der Ernte<\/td>\n835,00 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n
Entgelt f\u00fcr das Presse<\/td>\n430,00 \u20ac<\/td>\n<\/tr>\n
<\/td>\n<\/tr>\n
Summe<\/em><\/td>\n2.602,00 \u20ac<\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n

Die rohen Kosten des Oliven\u00f6ls betragen damit f\u00fcr diese Ernte 10,41 Euro pro Liter. Ohne den Frost und bei normalem Sommerklima w\u00e4re 2008 ein Jahr mit guter Ernte (30 bis 40% mehr) geworden. Lediglich die M\u00fcller- kosten der Pressung h\u00e4tten sich bei einer gr\u00f6- \u00dferen Menge erh\u00f6ht, alle anderen Kosten fal- len unabh\u00e4ngig von der Erntemenge an.
\nDas Ergebnis bildet trotz des geringen Ernteertrags die Wirklichkeit der Oliven\u00f6lerzeugung ab. Als Obstgew\u00e4chs erbringt der Olivenbaum im Wechsel der Jahre immer einen guten und einen schwachen Ertrag. Streng \u00f6konomisch betrachtet, m\u00fcssen Erzeuger daher einen Zweijahreshaushalt ansetzen.
\nDie Kostenaufstellung ist dar\u00fcber hinaus noch unvollst\u00e4ndig: Franco Cuonzo betreut den Olivenhain, berechnet aber f\u00fcr seine eigene Leistung zugunsten des Landschaftsmuseums nichts, auch stellt er alle technischen Ger\u00e4te kostenfrei zur Nutzung zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n

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Die EU-Oliven\u00f6l-Verordnung wird zur Fessel<\/h3>\n

Die Einf\u00fchrung der Oliven\u00f6l-Verordnung<\/a> in Br\u00fcssel seit 1991, insbesondere mit der Fassung von 2002, war zun\u00e4chst ein richtig ansetzender Versuch, diesem Produkt einen rechtlichen Ordnungsrahmen zu geben und Mindeststandards f\u00fcr die Qualit\u00e4t zu definieren. Gleichwohl gelang es in all den Jahren damit nicht, das Oliven\u00f6l vom ersten Platz auf der Betrugsskala bei Lebensmitteln innerhalb der EU-Agrarordnung zu holen. Wurde die Verordnung versch\u00e4rft, wurde der Betrug raffinierter.
\nIn den letzten zehn Jahren haben wir immer wieder \u00fcber die Betrugsmethoden berichtet und mit Mitteln der Aufkl\u00e4rung versucht, gegen die Machenschaften anzugehen. Die Gr\u00fcndung von arteFakt<\/em> selbst war von diesem Bestreben geleitet, was sich seinerzeit in dem Slogan \u201e\u00d6lwechsel\u201c ausdr\u00fcckte. Jetzt deutet sich aber eine f\u00fcr den Oliven\u00f6l-Sektor neue Strategie bei den marktbeherrschenden Akteuren an, die zu der \u00dcberlegung zwingt, k\u00fcnftig ganz neue Wege zu konzipieren und dann auch zu gehen, unabh\u00e4ngig von der Oliven\u00f6l-Verordnung. Etwa zur gleichen Zeit, als spanische Investoren gro\u00dfe italienische Oliven\u00f6l-Marken aufzukaufen begannen, wurde die Oliven\u00f6l-Verordnung in Br\u00fcssel, auf Betreiben der \u201eMittelmehrl\u00e4nder\u201c, an entscheidenden Stellen negativ ver\u00e4ndert. Dadurch werden jetzt schlechte und alte Oliven\u00f6le \u201enativ\u201c und bleiben somit verkehrsf\u00e4hig. Bisherige Grenzwerte hatten sie als so genannte Lampant\u00f6le vom Lebensmittelmarkt ausgeschlossen oder sie erst nach einer Raffination wieder f\u00fcr den Verzehr zugelassen. Dann aber durften sie nicht mehr als nativ oder gar extra deklariert werden, sondern nur noch als \u201eOliven\u00f6l\u201c. Nach der EU-Oliven\u00f6l-Verordnung ist das die Bezeichnung f\u00fcr Raffinate. Jetzt aber, mit den neuen Grenzwerten, k\u00f6nnen strategische Lagerreserven aufgebaut werden. Auch wenn das Oliven\u00f6l dabei alt wird, hat es Chancen auf das Etikett \u201enativ\u201c.<\/p>\n

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Lobbyisten bestimmen die Grenzwerte neu<\/h3>\n

Die UV-Photospektronomie<\/h4>\n

Echte native Oliven\u00f6le weisen in ihrer Molek\u00fclstruktur \u00fcberwiegend konjugierte Doppelbindungen auf. Mittels einer physikalisch-chemischen Pr\u00fcfmethode, der UV-Photospektronomie, kann man diese Bindungen ermitteln bzw. identifizieren. In einem durch die Grenzwerte exakt definierten Bereich erh\u00e4lt man ein Signal, das aufgezeichnet werden kann. Durch zu hei\u00dfes Pressen, fasche Lagerung, Verwendung fauler Oliven und durch Alterung kommt es zur Ausbildung von isolierten Doppelbindungen. Deren Signal liegt au\u00dferhalb der Grenzwerte. Daran kann man Lampant\u00f6le leicht erkennen. Will man dies umgehen, muss man nur die Grenzwerte erweitern, wie jetzt in Br\u00fcssel beschlossen.
\nKohlenstoffketten<\/strong><\/em>
\nkonjugierte Doppelbindung;<\/em> \u2013C=C\u2013C=C\u2013C=C\u2013C=C\u2013
\nisolierte Doppelbindung:<\/em> \u2013C=C\u2013C\u2013C=C\u2013C\u2013C=C\u2013C\u2013C=C\u2013<\/p>\n

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Sensorische Fehlerkontrolle<\/h4>\n

Die F\u00e4lschungen des Oliven\u00f6ls waren mit der Zeit so perfekt geworden, dass sie im Labor nur noch schwer zu erkennen waren. Daher wurde die Oliven\u00f6l-Verordnung um eine sensorische Kontrolle erg\u00e4nzt, die in ihrem Rang noch vor der analytische Kontrolle steht. Fehler, die im Labor nicht mehr oder nur sehr schwer erkennbar sind, k\u00f6nnen von geschulten Geschmackstestern erschmeckt werden. Ein Natives Oliven\u00f6l Extra darf bei dieser Kontrolle in definierten Geschmackskategorien keine Fehler aufweisen. Wird diese Norm nicht erreicht, greift eine kleine Fehlertoleranz, angegeben durch einen im Test ermittelten Median bis zum Wert von 2,5. Die damit bewerteten Oliven\u00f6le galten dann, bei Verlust der Bezeichnung \u201eExtra\u201c, noch als natives Oliven\u00f6l. Bei \u00dcberschreiten dieses Medianwertes wurde das Oliven\u00f6l dann wieder als Lampant\u00f6l eingestuft. Hier beschloss man in Br\u00fcssel, den Median von 2,5 auf 3,5 zu erh\u00f6hen. Unter Fachleuten ist damit klar, dass es zuk\u00fcnftig nahezu keine Lampant\u00f6le mehr geben wird.<\/p>\n

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Mindesthaltbarkeitsangaben<\/h4>\n

Bei der Produktdeklaration m\u00fcssen nun weder der Erntejahrgang der Oliven noch das Abf\u00fclldatum angegeben werden. Als Mindesthaltbarkeitsangabe reicht die Angabe: \u201eVerbrauch empfohlen bis zum \u2026..\u201c.
\nMit diesen kleinen \u00c4nderungen, k\u00f6nnen nun, ohne gro\u00dfen Aufwand und archaische Betrugsmethoden, strategische Oliven\u00f6lreserven angelegt werden. Die Auswirkungen beginnen die Erzeuger seit zwei Jahren zu sp\u00fcren. Erst wenige verstehen aber den grundlegenden Wandel, der sich im Hintergrund am Olivenmarkt vollzieht. Ihre Proteste bleiben daher ohne Wirkung. W\u00fcrden Regierungen den Protesten nachgeben und entstehende Einkommensminderungen ausgleichen, machten sie sich umgehend unerlaubter Agrarbeihilfen schuldig und m\u00fcssten mit Sanktionen aus Br\u00fcssel und mit Strafzahlungen rechnen.<\/p>\n

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Alternativen gibt es immer, selten aber leichte<\/h3>\n

Viele kleinere Betriebe werden zun\u00e4chst mit noch h\u00f6herer Selbstausbeutung und intensiverer Nutzung ihrer Fl\u00e4chen f\u00fcr mehr Masse die Verluste zu kompensieren suchen. Wenn, wie geplant, 2013 die bisher gezahlten Agrarsubventionen wegfallen, werden sie nach und nach aufgeben m\u00fcssen. Mittelgro\u00dfe Betriebe mit gr\u00f6\u00dferen Fl\u00e4chen werden die Methoden der Masseproduktion wie beim Obstanbau \u00fcbernehmen. Sie werden ihre jetzigen Olivenhaine roden und sie mit schnell wachsenden und ertragsstarken Hybriden in dichten Reihen bepflanzen. Derartige Plantagen lassen sich dann mit wenigen Menschen maschinell bewirtschaften, mit kontrollierter N\u00e4hrstoffzufuhr, dem Einsatz von Designer-Pestiziden und maschineller Ernte- und Baumschneide-Technik. In manchen Gegenden, besonders in Spanien, ist dieser Trend bereits erkennbar. Von einem Oliven\u00f6lerzeuger l\u00e4sst dann nicht mehr sprechen, eher von einem Rohstofflieferanten f\u00fcr die Oliven\u00f6lindustrie. Dieses industrielle Lebensmittel ist im Geschmack ein charakterloses Massen-Oliven\u00f6l. Sein Wert ist mit 2,79 \u20acuro pro 0,75l deutlich zu teuer bemessen.
\nSo einzigartig ist das alles jedoch nicht. Schmeckt etwa die Milch, die wir im Supermarkt kaufen, wirklich gut, oder erwartet man das \u00fcberhaupt noch? Die meisten Konsumenten haben sich daran gew\u00f6hnt und noch nie eine gute Milch gekostet, sie wissen daher nicht um echte Qualit\u00e4tsunterschiede. Sie k\u00f6nnen sich gar nicht vorstellen, dass man sie schmecken k\u00f6nnte \u2013 und dass man zum Beispiel, wenn man \u201eechte\u201c Milch genie\u00dft, keine teuren Nahrungserg\u00e4nzungsmittel wie Kalzium und Magnesium mehr zukaufen m\u00fcsste.<\/p>\n

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Idee und Projekt arteFakt \u2013 eine nachhaltige Alternative<\/h3>\n

Eine lebenswerte Alternative entst\u00fcnde aus unserer Sicht nur aus dem Mut, sich von diesen Marktmechanismen abzuwenden: ein konsequentes Umdenken hin zu Qualit\u00e4t, Individualit\u00e4t, Transparenz und N\u00e4he zwischen Erzeugern und Verbrauchern. Ein Olivenanbau, der auch die Landschaftspflege mit umfasst, er\u00f6ffnete \u00fcber die Oliven\u00f6lerzeugung hinaus auch touristische Potenziale f\u00fcr zus\u00e4tzliche Erwerbszweige. Mit dem Projekt arteFakt<\/em> k\u00f6nnen wir seit \u00fcber zehn Jahren aufzeigen, dass eine solche Orientierung nicht nur eine denkbare, sondern eine machbare Alternative ist.
\nDie Aufspaltung des Marktes, die wir z.B. bei Wein, K\u00e4se und vielen anderen Lebensmitteln schon lange kennen \u2013 einerseits industrielle Erzeugung und andererseits nat\u00fcrliche \u2013, werden wir nicht aufheben k\u00f6nnen. Auch beim Oliven\u00f6l bilden sich qualit\u00e4tsbewusste Erzeuger heraus, die wir in Analogie zu den Winzern zuk\u00fcnftig \u201eles Oliviers\u201c nennen wollen. Sie gewinnen aus ihren Oliven weniger das \u00d6l als den Fruchtsaft der Olive, legen deshalb ihr Augenmerk auf den An- und Ausbau autochthonen Sorten, betreiben eine nachhaltige Landwirtschaft und bescheiden sich bei den Mengen zum Vorteil einer hohen Jahrgangsqualit\u00e4t. Das wird weiterhin nicht mit Billigangeboten zu machen sein, das Preisniveau wird eher noch steigen.
\nDiscounter und Superm\u00e4rkte werden wie bisher das Billig-Segment der dann so genannten Nativen Oliven\u00f6le Extra anbieten. Sauber raffiniert oder gesch\u00f6nt, werden diese \u00d6le nicht mehr Ergebnis der \u201eAuslese-Qualit\u00e4t\u201c sein. Ihre Deklaration bietet nur noch das Wort \u201eOliven\u00f6l\u201c f\u00fcr ein Industrie-Erzeugnis, wie es bei anderen Speise\u00f6len, etwa dem Sonnenblumen\u00f6l, lange schon eingef\u00fchrt ist. In den Feinkost-Nischen der Superm\u00e4rkte wird sich, wie jetzt schon beim Wein, dann auch das eine oder andere echte Oliven\u00f6l finden, freilich nicht zu billigen Preisen. Wir werden unseren eingeschlagenen Weg mit Freude und mit Freunden weiter gehen und uns mit dem Saft der Olive noch st\u00e4rker als bisher an der Methodik und Systematik der Weinqualit\u00e4ten anlehnen. Vielleicht gibt es dann zuk\u00fcnftig nat\u00fcrliche Oliven\u00f6le als Kabinett, Classic oder Auslese. Die Aufkl\u00e4rung ist oft m\u00fchsam und beschwerlich, aber sie schmeckt so herrlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

Einen Tag nach meinem Abflug von Heraklion nach Athen fuhren kretische Bauern mit ihren Traktoren auf das Rollfeld des Insel-Flughafens und hielten es f\u00fcr drei Tage besetzt. Andere Landwirte sperrten derweil mit ihren Traktoren die Nationalstra\u00dfen von Athen nach Thessaloniki. Nahezu gleiche Aktionen hatte ich bereits im Dezember in Apulien erlebt. Das Vorgehen hatte mich… Weiterlesen »Quo vadis Oliven\u00f6l?<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_themeisle_gutenberg_block_has_review":false,"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[],"class_list":["post-208","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-qualitaet"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/208","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=208"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/208\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=208"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=208"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=208"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}