{"id":24804,"date":"2025-07-31T10:19:07","date_gmt":"2025-07-31T09:19:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/?p=24804"},"modified":"2026-05-13T11:40:16","modified_gmt":"2026-05-13T10:40:16","slug":"bodenarbeit-lebendige-boeden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/bodenarbeit-lebendige-boeden\/","title":{"rendered":"Drecksarbeit – der Mikrokosmos unter unseren F\u00fc\u00dfen"},"content":{"rendered":"\n
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Drecksarbeit – der Mikrokosmos unter unseren F\u00fc\u00dfen<\/span><\/h2>\n\n\n\n

Der Mikrokosmos unter unseren F\u00fc\u00dfen<\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n

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In einer Handvoll Boden gibt es mehr und vielf\u00e4ltigeres Leben als dar\u00fcber. Die Fotografen Nicole Ottawa<\/em> und Oliver Meckes<\/em> zeigen in einem Bildband spektakul\u00e4re und beeindruckende Aufnahmen, dieser f\u00fcr unser blo\u00dfes Auge nicht sichtbaren Wesen aus dem Kosmos dieser Mikrowelt. Beim Anblick vieler dieser Wesen beschleicht einem auch etwas Unbehagen und man freut sich, dass sie nicht gr\u00f6\u00dfer sind. (Dilling und Galitz Verlag, www.dugverlag.de<\/a> oder bei uns im Shop<\/a>). Mit den klimatischen Ver\u00e4nderungen l\u00e4ngerer Trockenzeiten und anhaltend hoher Temperaturen r\u00fccken sie mit ihrer Aufgabe im Boden f\u00fcr unser Leben und unsere Existenz jetzt nicht mehr nur f\u00fcr Wissenschaftler in den Fokus der Aufmerksamkeit.<\/p>\n<\/div>

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Humus \u2013 eine Lebenswelt, die Wirkung zeigt<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

In einem lebendigen Boden leben in einem Kubikmeter Erde 100 Regenw\u00fcrmer, 300 Tausendf\u00fc\u00dfler, 1.000.000 Fadenw\u00fcrmer, 100.000.000 Algen, 100.000.000.000 Pilze, 30.000.000.000.000 Bakterien und Mikroben. Sie alle machen die \u201eDrecksarbeit\u201c f\u00fcr einen gesunden Boden, der dann auf nat\u00fcrliche Weise die N\u00e4hrstoffe f\u00fcr die Pflanzen erzeugt und bereitstellt, von denen auch wir uns dann ern\u00e4hren. Und sie bilden Humus, dessen Rolle im Boden mit den Klimaver\u00e4nderungen immer wichtiger wird, weil er Wasser speichern kann. Mit der Entwicklung der modernen Landwirtschaft \u00fcbernehmen k\u00fcnstliche und chemische Produkte die N\u00e4hrstoffversorgung mit deren Turboeffekten die Ertr\u00e4ge auch gesteigert werden k\u00f6nnen. Mit der einhergehenden mechanischen Bodenbearbeitung mit gro\u00dfen und tiefgreifenden Maschinen und der Einseitigkeit von gepflanzten Monokulturen erstarb vielfach das Bodenleben und seine Bewohner. So sind die Landwirtschaftsfl\u00e4chen heute vielfach nur noch \u201etote\u201c B\u00f6den, ohne einen nennenswerten Humusgehalt und haben damit ihre Wasserspeicherf\u00e4higkeit verloren. Ohne Humus wird der Boden hart, verliert seine Porigkeit und nimmt daher bei Starkregen, der jetzt h\u00e4ufiger vorkommt, kein Wasser auf, sondern l\u00e4sst es an der Oberfl\u00e4che abflie\u00dfen. Und ohne Humus, der wie ein Schwamm wirkt, kann er das Wasser nicht speichern und halten und bei Trockenheit langsam wieder freigeben.<\/p>\n\n\n\n

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<\/strong>Pflanzenkohle \u2013 was ist das und was bewirkt sie<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Sie hilft bei der R\u00fcckgewinnung des Bodenlebens in dem Kosmos der Mikrowelt zum Aufbau von Humus und unterst\u00fctzt die Wasserspeicherf\u00e4higkeit des Bodens. Pflanzenkohle kann aus allen pflanzlichen Produkten wie Holz, Bl\u00e4tter oder anderen Pflanzenteilen hergestellt werden. In Pyrolyse\u00f6fen werden sie bei sehr hohen Temperaturen von \u00fcber 450\u00b0C hergestellt, \u00fcbrig bleibt dann weitgehend nur das verkohlte Ger\u00fcst des Zellgewebes. Pflanzenkohle enth\u00e4lt damit eine Struktur unz\u00e4hlbar kleiner und leerer Hohlr\u00e4ume, die als Speicher oder als Wohnr\u00e4ume genutzt werden k\u00f6nnen. Pflanzenkohle ist also kein D\u00fcnger, sondern ein Habitat f\u00fcr Mikroorganismen. Um das Einziehen und das Vermehren dieser Organismen zu f\u00f6rdern, werden die Hohlr\u00e4ume zun\u00e4chst mit Nahrungsmitteln f\u00fcr die Organismen \u201egeimpft\u201c, was auch als Aktivierung bezeichnet wird. Die Pflanzenkohle wird daf\u00fcr in G\u00fclle, Pflanzenjauche oder G\u00e4rfl\u00fcssigkeit, z.B. aus einer Biogasanlage, gelegt, die in die Poren eindringt. So wird Pflanzenkohle zum Luxushotel f\u00fcr Bakterien und Mikroben, die sich dann mit dem D\u00fcngen des Bodens daf\u00fcr bedanken. Weiterhin sind sie einen wichtigen Faktor in der Nahrungskette all der anderen Bewohner, die zur Humusbildung gebraucht werden.<\/p>\n\n\n\n

Mit dem gigantischen Porenvolumen unterst\u00fctzt die Pflanzenkohle, neben dem Humus, auch die Wasseraufnahme und Speicherf\u00e4higkeit des Bodens f\u00fcr die Zeiten der Trockenheit. Sie hat damit einen doppelten Effekt und Nutzen. Und auf jedem Olivenhain oder in jedem Garten fallen jedes Jahr nach der Ernte organische Pflanzenteile an, die sich zuvor getrocknet als Pflanzenkohle herstellen lie\u00dfe und dem Boden zur\u00fcckgegeben werden kann.<\/p>\n\n\n\n

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<\/strong><\/strong>Unsere Klimaprojekte in Apulien<\/strong><\/h3>\n\n\n\n

Pflanzenkohle ist heute noch so teuer, dass Landwirte sich das nicht leisten. Mit dem Unternehmer Walter Danner<\/em>, einem Mitglied unserer Genossenschaft und der Foundation Char2cool<\/em> <\/a>verfolgen wir die Erprobung einer konsequenten Kreislaufwirtschaft bei der Herstellung von Pflanzenkohle. Walter hat in seinem Unternehmen Snow Leopard Projects<\/em> eine autarke Carbon-Box entwickelt mit der der j\u00e4hrlich anfallende Baumschnitt der Olivenb\u00e4ume, die Olivenbl\u00e4tter, die Olivenkerne und die Splei\u00dfen des Hartweizens vor Ort zu Pflanzenkohle pyrolysiert werden k\u00f6nnen. Die Cooperative Emanuele De Deo<\/em> (Oliven\u00f6l No. 7 fruchtig & natives Peperoncino- und Lorbeer-Oliven\u00f6l) erprobt mit uns jetzt die Carbon Box, zun\u00e4chst f\u00fcr ein Jahr, in der Praxis und auf ihre Wirtschaftlichkeit.<\/p>\n\n\n\n

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