{"id":3532,"date":"2012-12-18T15:33:29","date_gmt":"2012-12-18T14:33:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/?p=3532"},"modified":"2013-03-21T05:58:07","modified_gmt":"2013-03-21T04:58:07","slug":"spanien-und-das-olivenoel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/spanien-und-das-olivenoel\/","title":{"rendered":"Spanien und das Oliven\u00f6l"},"content":{"rendered":"

Kein Land auf der Welt produziert soviel Oliven\u00f6l wie Spanien. Doch ist dieser Umstand auch Garant f\u00fcr qualitativ hochwertiges Oliven\u00f6l? Leider muss die Frage mit einem eindeutigen Nein beantwortet werden. Wie zum Beispiel im Tourismus so ist es auch beim Oliven\u00f6l: Die Masse machts, da werden Milliarden von Euro umgesetzt, w\u00e4hrend die, die auf Qualit\u00e4t setzen, durchweg mit gro\u00dfen Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen haben. Somit k\u00f6nnen Sie einen Gro\u00dfteil des spanischen Oliven\u00f6ls im wahrsten Sinne des Wortes \u201ein die Tonne werfen\u201c. Doch, und das ist vielleicht der Hoffnungsschimmer: Seit einigen Jahren lernen wir immer mehr Produzenten kennen, bei denen ein Umdenken stattfindet. Ob nun aus \u00dcberzeugung und aus Liebe zur Qualit\u00e4t oder aus wirtschaftlichem Interesse (auch hier merken Produzenten, das es beispielsweise f\u00fcr gute Bio-Oliven\u00f6le durchaus eine Kundschaft gibt) sei dahingestellt. Fakt ist, dass sich mehr und mehr Produzenten auf den Weg machen, sich von der Masse abzuheben.<\/p>\n

Doch um die Bedeutung des (Massen-) Oliven\u00f6ls in Spanien zu verstehen, haben wir Zahlen recherchiert, die eben diesen Umstand best\u00e4tigen:
\nDie gr\u00f6\u00dfte Anbaufl\u00e4che weltweit mit 2,2 Millionen Hektar besitzt Spanien, es folgen Italien mit 1 Mio. und Griechenland mit 830 Tausend Hektar (Zahlen von 2007, Quelle: Eurostat). Es ist davon auszugehen, dass die Zahlen in den vergangenen Jahren noch weiter gestiegen sind.
\nWer einmal durch Andalusien mit dem Auto gefahren ist, der wei\u00df von den endlos langen Olivenbaum-Plantagen, die sich \u00fcber Kilometer an den S\"ESJA-00295-00\"<\/a>tra\u00dfen entlang ziehen.
\nNirgendwo anders auf der Welt wird so intensiv und auf so gro\u00dfer Fl\u00e4che Olivenanbau betrieben. \u00dcber 60 % aller spanischen Oliven\u00f6le kommen aus Andalusien. Dagegen wirken die anderen Anbaugebiete, in denen Oliven\u00f6l produziert wird, nahezu klein. In Castilla La Mancha sind es gerade einmal 15 %, in Exremadura keine 10 % und bei uns in Katalonien noch nicht einmal 5 %.
\nDer Olivenanbau in Spanien l\u00e4sst sich in 10 gro\u00dfe Gebiete unterteilen, die sich aufgrund ihrer klimatischen Bedingungen und bzgl. der H\u00f6he und Bodenbeschaffenheit unterscheiden. Bei uns in Katalonien beispielsweise wird \u00fcberwiegend die Sorte Arbequina angebaut, w\u00e4hrend im s\u00fcdlichen Spanien Hojiblanca und Picual vorherrschen.
\nInsgesamt aber gibt es alleine in Spanien \u00fcber 250 verschiedene Sorten (mit Untersorten), einige, die kaum noch angebaut werden und von denen es nur noch wenige B\u00e4ume gibt.<\/p>\n

Diese Zahlen untermauern die wirtschaftliche Bedeutung des Oliven\u00f6ls f\u00fcr den spanischen Agrarsektor. Doch neben der quantitativen Bedeutung muss auf jeden Fall auch die emotionale Bedeutung des \u00d6ls erw\u00e4hnt werden. Dazu m\u00f6chten wir kurz erz\u00e4hlen, was uns vor wenigen Wochen in der N\u00e4he von Malaga passiert ist:
\nAuf einer unserer Erkundungstouren f\u00fcr eine neue Rundreise in Andalusien waren wir Anfang Dezember bei Antonio zu Besuch. Zusammen mit seiner Frau betreibt der 60-j\u00e4hrige eine wundersch\u00f6ne Finca mit nur 4 G\u00e4stezimmern, die inmitten seiner Olivenhaine steht. Als wir ankamen, war Antonio gerade mit einigen Freunden bei der Olivenernte. Er nahm sich kurz Zeit f\u00fcr uns, um das Haus, das noch vor wenigen Jahren eine Ruine war, zu zeigen. Danach standen wir zusammen mit seinen Freunden zwischen den Olivenb\u00e4umen. Und dann fing Antonio an zu erz\u00e4hlen, von der Genossenschaft, wohin Sie jahrelang geliefert haben, von der schlechten \u00d6l-Qualit\u00e4t, die sie produzierte und von dem radikalen Wechsel, den Sie vollzogen.
\"Canada\"<\/a>
\nJahrelang hatten Sie ihre einwandfreien Oliven der \u00f6rtlichen Genossenschaft abgeliefert, die allerdings k\u00fcmmerten sich kaum darum, sie blieben bisweilen mehrere Tage in einer Ecke liegen und verfaulten bis die Oliven endlich weiterverarbeitet wurden. Das Ergebnis war dementsprechend schlecht bis katastrophal. Antonio wurde von Jahr zu Jahr zorniger. Seine Oliven, seine Arbeit, sein Stolz durfte doch nicht in schlechtem \u00d6l m\u00fcnden!
\nUnd dann hatte Antonio genug! Vor drei Jahren verlie\u00df er die Genossenschaft und bringt seit dem seine Oliven zu einer modernen Olivenm\u00fchle in die N\u00e4he von Granada. Ein weiterer Weg, mehr Arbeit, mehr Kosten, aber daf\u00fcr ein einwandfreies, Oliven\u00f6l extra nativ!
\nAus Liebe zu seinen Oliven hat sich Antonio auf einen steinigen Weg gemacht, doch die Qualit\u00e4t des \u00d6ls und die zahlreichen Kunden beweisen, dass es auch in Spanien mehr und mehr Produzenten gibt, die auf Qualit\u00e4t anstatt Quantit\u00e4t setzen.<\/p>\n

Herzliche Gr\u00fc\u00dfe aus Katalonien
\nVeronica Ventura und Ralf Wigger<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"

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