{"id":4217,"date":"2013-04-18T09:01:47","date_gmt":"2013-04-18T08:01:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/?p=4217"},"modified":"2013-04-18T09:01:47","modified_gmt":"2013-04-18T08:01:47","slug":"die-olivenoelmuehle-so-wie-es-frueher-war","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.artefakt.eu\/wissen\/die-olivenoelmuehle-so-wie-es-frueher-war\/","title":{"rendered":"Die Oliven\u00f6lm\u00fchle \u2013 so wie es fr\u00fcher war"},"content":{"rendered":"

In den meisten spanischen Olivenanbaugebieten hei\u00dfen die \u00d6lm\u00fchlen \u201ealmazaras\u201c, was aus dem Arabischen kommt und \u201eOrt, an dem zerquetscht wird\u201c bedeutet. Da Katalonien jedoch nur kurze Zeit unter maurischer Herrschaft stand bzw. Grenzgebiet war, hat sich hier der Name \u201emol\u00ed d\u00b4oli\u201c, was aus dem lateinischen kommt, durchgesetzt.<\/p>\n

Denn es waren die R\u00f6mer, die professionell Oliven in Katalonien anbauen lie\u00dfen. Im Hinterland Barcelonas und der Costa Daurada bis weit nach Aragonien hinein entstanden geradezu Olivenbaumplantagen, die f\u00fcr den Nachschub ins r\u00f6mische Reich sorgten. Eine gro\u00dfe Rolle spielte dabei der Ebro. Der Fluss, der im s\u00fcdlichen Katalonien ins Mittelmeer m\u00fcndet, war f\u00fcr den Transport des fl\u00fcssigen Goldes aus dem Hinterland an die K\u00fcste enorm wichtig. Darum erhielt er auch den Namen Oleum Flumen (Fluss des Oliven\u00f6ls).<\/p>\n

Die von den R\u00f6mern entwickelten M\u00fchlen und Pressen wurden zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert von den Arabern weiterentwickelt, um die Qualit\u00e4t und den Ertrag zu steigern. Es sei allerdings anzumerken, dass das damalige \u00d6l mit Sicherheit nicht dem entsprach, was wir heute unter \u201egutes Oliven\u00f6l\u201c verstehen. Dennoch d\u00fcrfte das frische, kurz zuvor gepresste \u00d6l ein Genuss gewesen sein.
\nGemahlen wurden die Oliven von jeher, auch schon zu R\u00f6merzeiten, mit gro\u00dfen und schweren M\u00fchlsteinen. Die vorher ges\u00e4uberten Oliven wurden nach und nach auf den M\u00fchlenboden gelegt und von 2 M\u00fchlsteinen zerquetscht. Der daraus entstandene Brei wurde in kreisrunden und flachen Matten gef\u00fcllt und \u00fcbereinander gestapelt.\u00a0\"ded8f2a0e910\"<\/a>
\nDie in Katalonien meist benutzte Presse zur Gewinnung des \u00d6ls war die so genannte \u201ePremsa de Lliura\u201c. Bis ins 19. Jahrhundert haben sich die Form und die Methode der Presse kaum ver\u00e4ndert. Die aus gro\u00dfen Holzbalken bestehende Presse arbeitete mit dem Prinzip der Schraube. W\u00e4hrend auf der einen Seite des langen Balkens mehrer M\u00e4nner hoch- und runterschrauben konnten, wurde durch den erzeugten Druck auf der anderen Seite das Oliven\u00f6l in den aufgestapelten Matten ausgepresst.<\/p>\n

Trotz der gro\u00dfen Anstrengungen war die Oliven\u00f6lm\u00fchle immer ein begehrter Arbeitsplatz. Das hatte unter anderem damit zu tun, dass die M\u00fchle geheizt wurde, damit das Oliven\u00f6l auch aus dem Olivenfleisch heraustreten konnte. W\u00e4hrend die Bauern drau\u00dfen mit Wind und ungem\u00fctlichen Temperaturen k\u00e4mpfen mussten, war es in der M\u00fchle mit rund 25 Grad angenehm warm. Somit entwickelte sich die \u201emol\u00ed d\u00b4oli\u201c nicht nur zu einem Ort der Arbeit, sondern auch der Kommunikation. In angenehmer Atmosph\u00e4re trafen sich hier die Bauern, unterhielten sich, a\u00dfen und tranken zusammen. \u00dcbrigens hat sich noch bis heute diese Tradition gehalten \u2013 auch in der M\u00fchle von Josep-Maria Mallafr\u00e9 (artefakt Oliven\u00f6l).\u00a0 Trotz moderner M\u00fchlentechnik und Pressmethoden treffen sich die Bauern in einem gro\u00dfen Raum, neben der M\u00fchle. Am w\u00e4rmenden Kamin sorgt Mutter Josefine f\u00fcr reichlich Nachschub an Bauernbrot (das auf dem Feuer ger\u00f6stet wird) und Rotwein.\u00a0<\/p>\n

Herzliche Gr\u00fc\u00dfe aus Katalonien
\nVeronica Ventura und Ralf Wigger<\/p>\n

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