Orangen – Heiler der Seefahrerkrankheit

 

Was haben Orangen mit Seefahrern zu tun?

Seefahrer, die in früheren Zeiten lange auf dem Meer unterwegs waren und deren Ernährung meist unzureichend war, litten häufig an folgenden Symptomen:

schlechte Wundheilung, Infektionen, Blutarmut, Entzündungen der Gelenke und Knochen, Blutungen der Schleimhäute und anderer bindegewebsreicher Organe sowie Zahnausfall.

Die unter dem Fachbegriff Skorbut bekannte Mangelerkrankung wurde erstmalig 400 v. Chr. beschrieben, allerdings konnte erst im 18. Jahrhundert der Zusammenhang zwischen Skorbut und Zitrusfrüchten hergestellt werden.

Die Symptome der Seefahrer konnten bei regelmäßigem Verzehr von Zitrusfrüchten verhindert werden, da Skorbut bei einem schweren Vitamin C Mangel entsteht.1

 

 

Orangen und Vitamin C

Die meisten, wie du wahrscheinlich auch, denken bei der Orange zuerst an den hohen Vitamin C Gehalt. Und das auch mit gutem Recht. In nur 100 g Fruchtfleisch sind bereits 20 mg Vitamin C enthalten. Das entspricht 20 % der täglich empfohlenen Zufuhr.

Als Antioxidans schützt Vitamin C den Körper vor freien Radikalen und anderen Stoffen, die zu einer unerwünschten Oxidation und damit Schädigung von Zellen führen können.

Vitamin C ist an der reibungslosen Funktion des Immunsystems beteiligt und trägt damit vor allem in den Wintermonaten zur Erkältungsprävention bei. Und wenn du bereits krank geworden bist? Eine ordentliche Versorgung mit Vitamin C hilft bei einer schnelleren Genesung.

Vitamin C ist außerdem für die Biosynthese diverser Hormone, Aminosäuren (die Grundbausteine der Proteine) und Kollagen zuständig. Kollagen ist ein Bestandteil des Bindegewebes, worin sich auch viele der genannten Symptome bei Skorbut erklären.

Es ist immer noch ein weit verbreiteter Irrglaube, dass wir Menschen Fleisch für eine ausreichende Versorgung mit Eisen brauchen. Nichtsdestotrotz stimmt es, dass pflanzliches Eisen schlechter vom Körper aufgenommen werden kann. Vitamin C hilft dabei, das pflanzliche Eisen in die für uns besser resorbierbare Form umzuwandeln. Wie wäre es mit einem frisch gepressten Orangensaft zum Porridge (Haferflocken sind sehr eisenhaltig) oder einer Orange als Nachtisch zur Hauptmahlzeit?

Da Vitamin C zu den wasserlöslichen Vitaminen gehört, gibt es keinen Speicher im Körper. Vitamin C muss somit regelmäßig mit der Nahrung zugeführt werden.2

Doch die Orangen, welche zu den Zitrusfrüchten gehören und ursprünglich übrigens aus China stammen, liefern nicht nur reichlich Vitamin C. Sie sind ein wahrer Alleskönner.

 

 

Weitere gesundheitliche Vorteile

Die Orange liefert eine Vielzahl an Carotinoiden und Flavonoiden. Carotinoide spielen als Provitamin-A eine wichtige Rolle im Körper. Flavonoide zählen zu den Polyphenolen und wer hier regelmäßig mitliest, dem sind die Polyphenole als gesundheitsförderliche sekundäre Pflanzenstoffe inzwischen ein Begriff.

In Studien konnte bereits die vielfältige Wirkung von Flavonoiden gezeigt werden. Sie können nicht nur das Risiko diverser Herz-Kreislauferkrankungen senken, sondern sich auch positiv auf die Gesundheit unseres Gehirns sowie unseres Darms auswirken.3,4

Früher habe ich die Orangen immer penibel geschält, da mich die weißen Fäden gestört haben. Wem geht das noch so?

Seit ich weiß, dass das sog. Albedo besonders reich an Flavonoiden und die für den Darm so wichtigen Ballaststoffe ist, bin ich nicht mehr ganz so kleinlich. Sei ruhig etwas großzügiger beim Schälen und entferne nicht jeden weißen Faden, der dir unter die Finger kommt.

 

 

Ganze Orangen oder Orangensaft?

Hier scheiden sich die Geister und viele meiner Kollegen raten ganz klar vom Orangensaft (und Fruchtsaft generell) ab. Prinzipiell sehe ich das ähnlich. Rein prozentual gesehen, enthält Orangensaft deutlich mehr Zucker als die ganze Orange. Zucker in Flüssigkeiten wird sehr schnell vom Körper aufgenommen und führt zu unerwünschten Blutzucker- und daraus resultierenden Insulinspitzen.

Eine umfangreich angelegte Studie der Universität Hohenheim hat meine Überzeugung jedoch ins Wanken gebracht. Demnach werden durch die Verarbeitung der Früchte zu Saft verschiedene Inhaltsstoffe, so auch die Carotinoide, besser für den Menschen verfügbar.3

Sollen wir also alle nur noch Orangensaft trinken und die ganzen Früchte links liegen lassen? Nein, ganz bestimmt nicht, denn die Mischung macht’s.

Isst du die Orange, anstatt sie zu trinken, nimmst du mehr von den wichtigen Ballaststoffen auf und auch der Zucker aus der Frucht wird langsamer resorbiert. Außerdem gibt es Nährstoffe, die durch die vorzeitige mechanische Zerkleinerung (teilweise) zerstört werden.

Gegen ein gelegentliches leckeres Glas selbstgepressten Orangensaftes ist jedoch nichts einzuwenden.

Die Finger solltest du allerdings von Nektar lassen. Im Nektar wird der Saft zur Hälfte mit Wasser verdünnt, nur um dann wieder mit Zucker angereichert zu werden, um die erwünschte Süße zu erhalten. Von den Nährstoffen aus der Frucht bleibt so allerdings nicht mehr viel übrig.

 

Mein Tipp: Greif vorrangig zur ganzen Frucht, egal um welches Obst es sich handelt. Selbstgepresster und ungezuckerter Saft kann deine Ernährung aber wunderbar ergänzen.

 

Quellen:

1 DocCheck Flexikon: Skorbut
2 DACH Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Vitamin C
3 Pressemitteilung Universität Hohenheim (23.03.15) „Orange oder Orangensaft: Was ist gesünder?“
4 „Citrus Polyphenols in Brain Health and Disease: Current Perspectives.” Pontifex et al., Front Neurosci. 2021 Feb 19;15:640645

 

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