Olivenöl & Gesundheit

Kognitiver Abbau, Demenz und die Wirkung von Olivenöl

Welche Rolle Gefäßgesundheit, mediterrane Ernährung, Olivenöl und Polyphenole bei kognitivem Abbau und Demenz spielen.

Gesundheit · Wissenschaft & Ernährung

Eine Person im weißen Kittel betrachtet ein Gehirnmodell mit einer Lupe

Kognitiver Abbau im Alter ist nicht nur eine lebenseinschränkende Entwicklung für die Betroffenen und deren Familien, sondern ein globales Gesundheitsproblem, das sich auch auf die Sozialstruktur und die Ökonomie der jeweiligen Länder und Gesellschaften auswirkt. Da die Menschen in der westlichen Welt immer älter werden, geht man davon aus, dass sich der kognitive Verfall in der Bevölkerung bis 2030 verdoppelt und bis 2050 verdreifacht.

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Demenz und ihre unterschiedlichen Formen

Zu den neurodegenerativen Erkrankungen zählt auch die Demenz, welche einen Überbegriff darstellt und keine eigenständige Erkrankung ist. Es existieren verschiedene Demenzarten, die nicht immer klar voneinander abgrenzbar sind und vielfältige Ursachen haben. Zwei Arten stechen hierbei besonders heraus: die vaskuläre Demenz sowie die Alzheimer Demenz. Häufig treten auch Mischformen zwischen den beiden Arten auf.1

Die vaskuläre Demenz ist primär auf Durchblutungsstörungen im Gehirn zurückzuführen, wobei das Gehirngewebe geschädigt wird und Nerven absterben, da die notwendige Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen nicht mehr gewährleistet wird.

Hände halten eine Kopfsilhouette aus Puzzleteilen mit fehlenden Teilen

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Was bei der Alzheimer Demenz geschieht

Das Hauptmerkmal für die Alzheimer Demenz ist die Ablagerung von fehlerhaften Proteinen im Gehirn.

Tau-Proteine sind wichtige Strukturproteine innerhalb der Nervenzellen, wo sie für Stabilität und den einwandfreien Transport von Nährstoffen zuständig sind. Im Zuge der Alzheimer Demenz verändern sich diese Tau-Proteine, wodurch das zelluläre Transportsystem zusammenbricht.

Amyloid-Plaques sind das zweite Charakteristikum für die Alzheimer Demenz. Diese Plaques sind unlösliche Ablagerungen aus fehlerhaft gefalteten Proteinfragmenten. Sie sammeln sich zwischen den Nervenzellen in der grauen Hirnsubstanz und stören die neuronalen Signale.

Erstaunlicherweise bilden sich die Amyloid-Plaques teilweise schon 15 – 20 Jahre vor Auftreten der ersten klinischen Symptome.

All diese krankhaften Prozesse führen zum Absterben der Gehirnzellen. Daneben spielt auch oxidativer Stress und eine Entzündung der Nerven bei der Alzheimer Demenz eine Rolle, genau so wie schädliche Veränderungen der Gefäße.

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Gefäßgesundheit und Risikofaktoren

Beide Demenzerkrankungen sind fortschreitend und können nicht geheilt werden.

Der Erhalt einer gesunden Gefäßfunktion ist daher von essentieller Bedeutung bei der Risikoreduktion für kognitiven Verfall. Erkrankungen und Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht und eine Erhöhung der Blutfette treten häufig bei den oben genannten Formen der Demenz auf. Wer hier schon länger mitliest weiß, dass die eben genannten Risikofaktoren gut mit einer entsprechenden Ernährung und allgemeinen Lebensstiländerung in den Griff zu bekommen sind.1,2

Eine Person gießt Olivenöl aus einem kleinen Glas in ein Probierglas

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Die Rolle der Ernährung3-9

Viele der heutigen Zivilisationskrankheiten können mit der richtigen Ernährung – und dem passenden Lebensstil – in Schach gehalten und sogar geheilt werden. Nach aktuellem Stand der Medizin, scheinen neurodegenerative Erkrankungen leider eine große Ausnahme zu bilden. Kognitiver Verfall lässt sich (bisher) kaum aufhalten und schon gar nicht umkehren.

Welche Ernährungsweisen am besten für die Prävention geeignet sind, habe ich im Artikel über die einzelnen Lebensstilfaktoren erläutert. Mich interessiert in diesem Abschnitt besonders, welche Rolle ein qualitativ hochwertiges Olivenöl und Polyphenole spielen. Ich betone hierbei ausdrücklich, dass nicht ein einziges Lebensmittel in der Lage ist, Krankheiten zu verursachen oder zu heilen. Es ist immer das Zusammenspiel aus vielen verschiedenen Faktoren. Nichtsdestotrotz: Was sagt die Forschung zum Thema Olivenöl, Polyphenole und kognitivem Abbau?

Eine der führenden Studien, welche erstmals den Zusammenhang zwischen Olivenöl und Hirngesundheit untersucht haben, ist die „Three Cities Study“. Über einen vierjährigen Zeitraum wurden knapp 7.000 Probanden ohne bestehende kognitive Defizite und älter als 65 Jahre beobachtet, wobei die kognitive Entwicklung und der Olivenölkonsum im Fokus standen. Nach Ablauf der Zeit konnte ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der Nutzung von Olivenöl und der kognitiven Entwicklung hergestellt werden. Wurde Olivenöl sowohl für die warme als auch kalte Küche verwendet, war dies assoziiert mit einem geringeren Risiko für kognitive Defizite im visuellen Gedächtnis und der Wortflüssigkeit. Auf die allgemeine kognitive Funktion hatte der Olivenölkonsum im von den Forschern genutzten Test (MMSE) keine Auswirkung. Die Studie hat, wie fast jede Studie, ihre Grenzen. Allerdings legte sie die Basis für viele weitere wissenschaftliche Untersuchungen, welche auf die wichtige Rolle einer olivenölreichen Mediterranen Ernährung hindeuten.

Die Three Cities Study unterstreicht die Relevanz der Ernährung bei der Prävention. Aber wie sieht es aus therapeutischer Sicht aus?

Eine aktuelle Metaanalyse aus dem Jahr 2026, die den Einfluss von Olivenöl auf bereits bestehende kognitive Defizite analysierte, kam zu gemischten Ergebnissen. Liegen bereits kognitive Defizite bis hin zur Demenz vor, scheinen die positiven Effekte von Olivenöl nicht mehr signifikant zu sein. Die Forscher kommen allerdings zu dem Schluss, dass größer angelegte Studien nötig sind, um die Ergebnisse zu verifizieren.

Werden Olivenöl und Polyphenole jedoch in das Gesamtbild der Mediterranen Ernährung integriert, ist die Studienlage eindeutiger.

Die Mediterrane Ernährung reduziert bekanntermaßen nicht nur oxidativen Stress und Entzündungen im Gehirn, sondern ist auch mit einem geringeren Verlust an Gehirnvolumen und einem langsameren Voranschreiten der Alzheimer Demenz assoziiert. Wie ich bereits in anderen Artikel ausführlich dargelegt habe, beeinflusst die Mediterrane Ernährung auch die Risiken für diverse Zivilisationskrankheiten. Kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus Typ 2 oder das metabolische Syndrom stehen ihrerseits im Zusammenhang mit der Entwicklung von Demenzerkrankungen.

Vor allem Insulinresistenz, wie sie zum Beispiel beim Diabetes mellitus auftritt, und Mangelernährung stellen signifikante Risikofaktoren für den kognitiven Verfall dar. Besonders Mangelernährung wirkt sich negativ auf die Verbindung zwischen Darm und Gehirn aus, wodurch neurodegenerative Prozesse verstärkt werden.

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Zusammenfassung

Die Studienlage hinsichtlich der Prävention für kognitiven Verfall und Demenzerkrankungen ist mittlerweile sehr eindeutig. Sowohl die Mediterrane Ernährung als auch die drauf fußende MIND Ernährung weisen sehr gute Ergebnisse auf. Und da Veränderungen im Gehirn teilweise Jahrzehnte vor den ersten Symptomen entstehen, ist es wichtig, sich frühzeitig einen „gehirngesunden“ Lebensstil anzueignen.

Bestehen bereits kognitive Defizite, scheint sich die Mediterrane Ernährung auch hier positiv auszuwirken. Auch wenn neurodegenerative Erkrankungen nicht geheilt werden können, so kann zumindest über einen entsprechenden Lebensstil versucht werden, das Voranschreiten der Erkrankungen zu verlangsamen.

Quellen

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„The role of the Mediterranean diet in reducing the risk of cognitive impairment, dementia, and Alzheimer’s disease: a meta-analysis” Fekete et al., GeroScience (2025) 47:3111-3130
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„Polyphenols for the Prevention and Treatment of Cognitive Impairment”. Masahito Yamada, J Nutr Sci Vitaminol, 68, S121-S123, 2022
03
„Olive oil and cognition: results from the three-city study.” Berr at al., Dement Geriatr Cogn Disord. 2009;28(4):357-64
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„Mediterranean diet improves cognition: the PREDIMED-NAVARRA randomised trial”. Martinez-Lapiscina et al., J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2013 Dec;84(12):1318-25
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„Mediterranean diet and 3-year Alzheimer brain biomarker changes in middle-aged adults.” Berti V, Walters M, Sterling J, et al., Neurology. 2018;90:e1789-e1798
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„Effect of extra virgin olive oil on mild cognitive impairment and dementia in older adults: a systematic review and meta-analysis of clinical trials”. Simão et al., Clin Nutr ESPEN. 2026 Jun:73:102977
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„Effect of nutrition on neurodegenerative diseases. A systematic review”. Bianchi V, Herrera P and Laura R. Nutr Neurosci. 2021 Oct;24(10):810-834
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„Nutrition and cognitive health: A life course approach”. Puri S, Shahee M and Grover B. Front Public Health. 2023 Mar 27;11:1923907
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„The role of nutrition in Alzheimer’s disease”. Ślinwińska S and Jedziorek M; Rocz Panstw Zakl Hig. 2021;72(1):28-39

Autorin

 

Sina Silberberger

 

Sina Silberberger


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