Olivenöl & Gesundheit
Reizdarmsyndrom und mediterrane Ernährung
Welche Rolle Ernährung, Darmmikrobiom und pflanzliche Inhaltsstoffe spielen und warum die mediterrane Ernährung in der Forschung zunehmend Aufmerksamkeit erhält.
Gesundheit · Wissenschaft & Ernährung

Das Reizdarmsyndrom ist eine chronische Erkrankung, die vor allem in Europa und Amerika auf dem Vormarsch ist, wobei Frauen häufiger erkranken als Männer. Betroffene leiden unter wiederkehrenden Phasen von Durchfällen und/oder Verstopfung, begleitet von Schmerzen und Entzündungen der Darmwände, wobei vor allem der letzte Teil des Dünndarms und der gesamte Dickdarm befallen sind. Für Patienten mit Reizdarmsyndrom bedeutet das eine hohe Einschränkung der Lebensqualität, da die Symptome den Alltag bestimmen.
01
Was beim Reizdarmsyndrom im Darm passiert
Die Entstehung und zugrunde liegenden Mechanismen dieser Erkrankung sind bislang noch nicht vollständig geklärt, allerdings scheinen mehrere Faktoren eine Rolle zu spielen. Vor allem die Mikrobiota, die Gesamtheit der Bakterien unseres Verdauungstraktes, konnte als einer der Hauptakteure identifiziert werden. Bei Patienten mit Reizdarmsyndrom ist die Zusammensetzung der Mikrobiota als auch deren Funktion verändert. Dieses Ungleichgewicht führt zu einer Verstärkung der Symptomatik.
Bei der Verdauung unserer Nahrung produzieren die Bakterien Stoffe, die sich wiederum auf unsere Gesundheit auswirken. Welche Arten von Bakterien unseren Darm bevölkern bestimmt maßgeblich, ob die produzierten Stoffe positive oder negative Auswirkung haben.
Einer der therapeutischen Ansätze bei Reizdarmpatienten ist es, über die Ernährung und andere Lebensstilfaktoren Einfluss auf diese Bakterien zu nehmen. Die „guten“ Bakterien sollen es in unserem Darm so annehmlich wie möglich haben, damit sie sich vermehren und „schlechte“ Bakterien verdrängen.
Mikrobiom
Die Zusammensetzung der Darmbakterien gehört zu den Faktoren, die bei der Erforschung des Reizdarmsyndroms eine wichtige Rolle spielen.
Viele Medikamente, die in der symptomatischen Behandlung des Reizdarmsyndroms Anwendung finden, zeigen nach langer Einnahme starke Nebenwirkungen. Der Ruf nach Alternativen wird laut. Alternativen, die den Darm auf natürliche Weise unterstützen und versuchen, das mikrobielle Gleichgewicht wieder herzustellen.1,2,3
02
Die Ernährung bei Reizdarmsyndrom
Eine sehr wirkungsvolle Ernährungsweise ist die low-FODMAP Diät. Sie zielt darauf ab, Lebensmittel zu meiden, bei deren Verdauung bestimmte Stoffe entstehen, die von Reizdarmpatienten in der Regel schlechter vertragen werden.
Beispiele für zunächst nicht erlaubte Lebensmittel sind diverse Getreide, Milchprodukte, bestimmte Obst- und Gemüsesorten sowie Hülsenfrüchte. Nach und nach werden diese Lebensmittel wieder in den Speiseplan eingeführt, um die individuellen Unverträglichkeiten zu ermitteln. Am Schluss werden dann nur noch diese Lebensmittel beziehungsweise Lebensmittelgruppen gemieden, auf die der Betroffene reagiert.
Allerdings gibt es Bedenken hinsichtlich der Nährstoffdichte bei zu großer Einschränkung. Je mehr Lebensmittel gemieden werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Nährstoffmängel. Besonders dann, wenn diese Ernährungsweise ohne fachspezifische Begleitung durchgeführt wird.1,2
03
Die mediterrane Ernährung
Wie eingangs beschrieben, leiden Patienten mit Reizdarmsyndrom vor allem an Entzündungen im endständigen Dünn- sowie gesamten Dickdarm. Eine Ernährungsweise, die besonders für ihre antientzündlichen Komponenten und positiven Auswirkungen auf die Gesundheit bekannt ist, ist die Mediterrane Ernährung.
Die Mediterrane Ernährung ist keine klassische Diät, sondern eine lebenslange Ernährungsweise und hat, wie der Name schon erahnen lässt, ihren Ursprung im Mittelmeerraum. Im Mittelpunkt stehen saisonale pflanzliche Lebensmittel, die besonders reich an Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen sind.
Hochwertiges natives Olivenöl bildet die Hauptfettquelle für die kalte und warme Küche, außerdem stehen Fisch und Meeresfrüchte auf dem Speiseplan. Rotes Fleisch und verarbeitete Fleischprodukte stellen nur einen geringen Anteil der Lebensmittel dar, auch Milch und Milchprodukte werden nur moderat konsumiert.
Zwei Ernährungsansätze
Inzwischen wird untersucht, wie sich die mediterrane Ernährung mit einer individuell angepassten Low-FODMAP-Ernährung verbinden lässt.
Aufgrund der intensiv erforschten positiven Effekte der Mediterranen Ernährung, gibt es inzwischen Ansätze, die Mediterrane Ernährung in die low-FODMAP Ernährung zu integrieren, um für die Patienten das Bestmögliche herauszuholen.
Die Mediterrane Ernährung geht in der Regel mit einer hohen Nährstoffdichte einher, was man sich zunutze machen möchte. Auch scheint die individuell angepasste Mediterrane Ernährung den Patienten eine bessere Mahlzeitenstruktur zu geben, wodurch der Verdauungstrakt weniger stark belastet wird.
Lebensmittel, die generell weniger gut von Reizdarmpatienten vertragen werden, können so auf mehrere Mahlzeiten aufgeteilt werden. Darüber hinaus beinhaltet die Mediterrane Ernährung viele Lebensmittel mit präbiotischen Eigenschaften, welche sich positiv auf die Zusammensetzung der Bakterien im Darm auswirken.2
04
Wo Olivenöl ins Spiel kommt
Aufgrund der pflanzlichen Basis ist die Mediterrane Ernährung besonders reich an Polyphenolen und weiteren Antioxidantien.
Eines der wichtigsten Polyphenole des Olivenbaums und damit im Olivenöl ist das Oleuropein. Es ist speziell für seine antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften bekannt, auch kann es sich schmerzlindernd auswirken. Gerade Betroffene mit Reizdarmsyndrom profitieren von Lebensmitteln, deren Inhaltsstoffe Entzündungen und Schmerzen reduzieren können.3
05
Was die Forschung bisher zeigt
Abschließend lässt sich sagen, dass sich die low-FODMAP Ernährung bei Patienten mit Reizdarmsyndrom inner- und außerhalb der Wissenschaft etabliert hat. Hinweise verdichten sich, wonach die Mediterrane Ernährung eine gute Ergänzung hierzu darstellt.
Sie vereint viele Lebensmittelgruppen, die reich an Polyphenolen und anderen sekundären Pflanzenstoffen sind, die sich in vielfältiger Weise positiv auf den Verdauungstrakt auswirken.
Quellen
Autorin
