Olivenöl & Gesundheit
Natürliche Polyphenole
Polyphenole in Pflanzen, Oliven und Olivenöl: Hydroxytyrosol,
Tyrosol und Oleuropein.
Gesundheit · Wissenschaft & Ernährung

Das Thema Olivenöl und Polyphenole geht Hand in Hand, denn natürliche Polyphenole spielen eine maßgebliche Rolle bei den vielen positiven Eigenschaften von Oliven und Olivenöl. Der Gehalt an Polyphenolen variiert dabei erheblich zwischen verschiedenen Olivenarten sowie in Abhängigkeit von Reifegrad, Anbaubedingungen und Verarbeitung.1
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Was sind Polyphenole?
Polyphenole, also chemische Verbindungen mit mehr als einem Phenolring, gehören zu den sogenannten sekundären Pflanzenstoffen. Letztere sind für die Pflanze nicht lebensnotwendig – als Abgrenzung zu den primären Pflanzenstoffen. Der Nutzen für die Pflanze ist jedoch so vielfältig wie die chemischen Strukturen der Sekundärstoffe selbst. Manche dienen der Pflanze als Abwehrstoffe gegen Pathogene oder Fressfeinde, andere wiederum locken als Aroma- und Farbstoffe Bestäuber und Samenverbreiter an. Wieder andere schützen vor UV-Strahlung oder Verdunstung. Inzwischen sind schätzungsweise über 100.000 sekundäre Pflanzenstoffe bekannt, davon entfallen mehr als 8.000 auf polyphenolische Verbindungen.
Wichtig dabei zu erwähnen ist, dass der Begriff „sekundärer Pflanzenstoff“ nicht gleichbedeutend mit „gesund“ ist. Einige sind sogar giftig für den Menschen, wie beispielsweise die Alkaloide Nikotin oder das aus der Tollkirsche bekannte Atropin.
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Wo kommen natürliche Polyphenole vor
Polyphenole dienen Pflanzen als Abwehr-, Farb- und Geschmacksstoffe. Im menschlichen Organismus wirken Polyphenole antioxidativ. Sie helfen also dabei, unsere Zellen gegen freie Radikale, welche im Übermaß zu Schäden an den Zellen und der DNA führen, zu schützen. Freie Radikale können einerseits direkt in unserem Körper bei Entzündungen und Stress entstehen, oder sie werden beispielsweise durch Umweltgifte, Zigarettenrauch oder UV-Strahlung in den Körper aufgenommen.
Polyphenole zeigen außerdem positive Effekte auf unser Immunsystem und das Herz-Kreislauf-System. Die Wirkungen der Polyphenole bei diversen Erkrankungen, z. B. Diabetes mellitus Typ 1 und 2, Krebs oder Rheuma, sind immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Studien.
Zur Gruppe der Polyphenole gehören zum Beispiel die Anthocyane, die mit ihrer roten, blauen oder violetten Färbung auf sich aufmerksam machen. Wir finden sie u. a. in Heidelbeeren, roten Trauben, Rotkohl oder Auberginen, wo sie ihre antioxidativen Eigenschaften entfalten. Auch Phenolsäuren in Kaffee und Vollkorn oder die Lignane in Leinsamen sind Teil der Polyphenole.
Weitere polyphenolreiche Lebensmittel sind unter anderem Tee, Kakao, Nüsse sowie etliche Kräuter.
Im polyphenolischen Phytokomplex der Olive sind eine Vielzahl bioaktiver Moleküle enthalten. Es entsteht ein Synergismus zwischen den Polyphenolen, der die Wirkung bei einer isolierten Aufnahme einzelner weniger Polyphenole weit übertrifft. Die in der Olive enthaltenen Polyphenole entfalten ihr Potential demnach am besten in der Olive selbst und in dem nativen Olivenöl.
Qualitativ hochwertiges, natives Olivenöl extra weist in der Regel einen höheren Polyphenolgehalt auf als stark raffinierte Olivenöle, da viele dieser Pflanzenstoffe bei der Raffination verloren gehen.

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Hydroxytyrosol
Hydroxytyrosol, welches zur Gruppe der Phenolsäuren gehört, zeichnet sich durch besonders starke antioxidative Eigenschaften aus. Es ist im Fruchtfleisch der Olive enthalten und gelangt dadurch beim Pressen der Oliven ins native Olivenöl Auch in den Olivenblättern ist Hydroxytyrosol zu finden. Hydroxytyrosol gilt als eine der Schlüsselfiguren für den gesundheitlichen Erfolg der Mediterranen Ernährung, deren Hauptfettquelle das extra native Olivenöl ist.
Die Bioverfügbarkeit des Hydroxytyrosols, sprich in welchem Umfang es aufgenommen wird und dem Körper unverändert zur Verfügung steht, schwankt stark in Abhängigkeit der Lebensmittelmatrix. Das am meisten untersuchte und zum aktuellen Zeitpunkt als am effektivsten beurteilte Lebensmittel in das extra native Olivenöl. Im Olivenöl liegt Hydroxytyrosol primär in Form seiner Abkömmlinge (Derivate) vor und wird durch die fettreiche Umgebung des Öls bei der Aufnahme in den Blutkreislauf stabilisiert und geschützt. Im Körper wird Hydroxytyrosol sehr schnell verstoffwechselt und in den einzelnen Organen bzw. Geweben verteilt. Hydroxytyrosol kann sogar die Blut-Hirn-Schranke passieren und seine schützenden Funktionen im Gehirn und Nervensystem entfalten. Ein Teil des Hydroxytyrosols gelangt in den Dickdarm, wo es von den dort ansässigen Bakterien aufbereitet wird und den wünschenswerten Bakterien als Nahrung dient.1,2
Eine Erkrankung, die eng mit oxidativen Vorgängen assoziiert ist, ist die Arteriosklerose. Sie ist auf entzündliche Prozesse im Körper zurückzuführen und entsteht u. a. durch die Oxidation von LDL-Cholesterin. Hierbei wird das LDL-Cholesterin in seiner Struktur verändert, sodass es sich in die Gefäßwände einnisten kann, wo es entzündliche Reaktionen hervorruft und zur Plaquebildung führt. Endpunkte dieser Erkrankung sind bspw. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Lungenembolie3. In der bekannten klinischen EUROLIVE-Studie konnte eindrucksvoll gezeigt werden, dass ein täglicher Konsum von Olivenöl die oxidativen Schäden an den Blutfetten reduziert4. Die Ergebnisse der EUROLIVE-Studie waren mitverantwortlich dafür, dass die EFSA (European Food Safety Authority) einen Health Claim akzeptierte, der die protektive Wirkung des Hydroxytyrosols bei der Entstehung von oxidiertem LDL-Cholesterin bestätigt5. Health Claims sind gesundheitsbezogene Angaben, die einer sehr strengen Prüfung unterliegen und wissenschaftlich genauestens dokumentiert sein müssen. Nur wenn die EFSA einen Health Claim akzeptiert, darf dieser auch auf den entsprechenden Produkten verwendet werden. Die genauen Hintergründe der Entstehung und Auswirkungen von Arteriosklerose können Sie in diesem Artikel nachlesen.
Neben dem Herz-Kreislaufsystem profitiert auch die Leber von den schützenden Effekten des Hydroxytyrosols. Sie ist unser Hauptstoffwechselorgan und stellt somit eine entscheidende Weiche in unserem gesamten Organismus dar. Nimmt die Leber Schaden, hat das weitreichende Folgen für unsere Gesundheit.
Die nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) stellt die häufigste Lebererkrankung in Deutschland dar, in Europa sind ca. 20–30 % der Menschen betroffen. Wie der Name schon sagt, ist diese Form der Fettleber nicht auf einen exzessiven Alkoholkonsum zurückzuführen, sondern stattdessen auf Übergewicht, Fehlernährung und Bewegungsmangel. Sie ist mit Stoffwechselerkrankungen wie dem Diabetes mellitus oder Bluthochdruck assoziiert. Wird die Fettleber nicht behandelt, kann sie sich entzünden und es können eine Leberzirrhose bis hin zu Leberkrebs entstehen6. Hydroxytyrosol kann dabei helfen, entzündliche Prozesse in der Leber zu verringern und den allgemeinen Stoffwechsel zu verbessern.
Auch auf die Insulinresistenz, welche mit Diabetes mellitus und dem metabolischen Syndrom assoziiert ist, scheint sich Hydroxytyrosol positiv auszuwirken1. Was es mit Diabetes mellitus und dem Zuckerstoffwechsel auf sich hat, können Sie hier nachlesen.
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Tyrosol
Obwohl Tyrosol, im Vergleich zum Hydroxytyrosol, eine eher geringe antioxidative Kapazität aufweist, wirkt es dennoch als starkes Antioxidans. Man geht davon aus, dass die Anhäufung des Tyrosols in den Zellen für seine antioxidative Wirkung verantwortlich ist. Tyrosol zeichnet sich außerdem durch eine hohe Stabilität aus, was es weit weniger anfällig für oxidativen Zerfall macht und seine schützende Funktion daher länger aufrecht erhalten kann.
Wie auch das Hydroxytyrosol, spielt Tyrosol eine protektive Rolle im Fettstoffwechsel. Es reduziert oxidative – und somit schädliche – Modifikationen am HDL-Cholesterin. Letzteres ist für den Rücktransport von Cholesterin aus dem Gewebe zur Leber hin verantwortlich, gemeinhin bekannt als das „gute Cholesterin“. Es konnte gezeigt werden, dass Tyrosol die Aufrechterhaltung der regelhaften Funktion des HDL-Cholesterins unterstützen kann, vor allem die Ausscheidung überschüssigen Cholesterins aus dem Körper.
Tyrosol steht außerdem zur Diskussion als alternative, therapeutische Substanz bei Bluthochdruck. Inzwischen ist man sich einig, dass nicht nur die Höhe des Blutdrucks für die Schwere der Erkrankung ausschlaggebend ist, sondern noch weitere Faktoren eine Rolle spielen. Einer davon ist die Fließeigenschaft des Blutes. Ist die Blutzirkulation eingeschränkt, kann dies Komplikationen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zur Folge haben. Tyrosol scheint hier außergewöhnliche positive Wirkungen zu entfalten.
Obwohl die bisherigen Ergebnisse vielversprechend sind, besteht weiterhin Forschungsbedarf, um die Bedeutung von Tyrosol beim Menschen abschließend beurteilen zu können.1
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Oleuropein
Oleuropein gehört zur Gruppe der Secoiridoid-Glykoside und ist als eine der wichtigsten polyphenolischen Verbindungen im Olivenbaum bekannt. Oleuropein trägt maßgeblich zum bitteren Geschmack von Oliven und Olivenblättern bei. Damit dient es der Pflanze als Abwehr- und Schutzstoff und ist Teil von dessen antimikrobiellem und antioxidativen Schutzsystems.
In den Blättern des Olivenbaums liegt Oleuropein in besonders hoher Konzentration vor, ist aber auch in den Oliven selbst und in geringerer Menge im Olivenöl zu finden. Mit zunehmender Reife der Oliven wird Oleuropein abgebaut.
In der medizinischen Forschung ist Oleuropein weithin für seine antioxidative und antientzündliche Kapazität bekannt. Ebenso wie Hydroxytyrosol zeigt es besonders gegenüber der Leber eine schützende Wirkung.
Unter allen Polyphenolen im Olivenöl wirkt Oleuropein am stärksten einer Arteriosklerose entgegen. Dieser Effekt lässt sich erneut auf die außerordentliche antioxidative und antientzündliche Wirkung zurückführen. Studien konnten zeigen, dass Extrakte aus dem Olivenblatt, welche Oleuropein und Hydroxytyrosol beinhalten, den Blutdruck senken und sich positiv auf die Blutfette auswirken. Je nach Studie war der blutdrucksenkende Effekt vergleichbar mit einem gängigen Medikament gegen Bluthochdruck. Auch im Tiermodell konnten die herzschützenden Eigenschaften eindrucksvoll gezeigt werden.
In einer großen Anzahl an Studien an menschlichen Brustkrebszellen setzte Oleuropein sowohl bei der Vervielfältigung als auch dem Absterben der Zellen an. Auch bei anderen Tumorzellen zeigte Oleuropein eine Wirkung, wenn auch nicht so ausgeprägt und weniger gut erforscht.
Diabetes mellitus Typ 2, eine der häufigsten Zivilisationskrankheiten unserer Zeit, steht zurecht im Fokus der Wissenschaft, immer auf der Suche nach neuen Medikamenten bzw. Therapieansätzen. Auch mit Oleuropein wurden Studien an Patienten durchgeführt. Hier zeigte das Polyphenol eine wichtige Reduktion des HbA1c, einem entscheidenden Langzeitparameter zur Diagnose und Überwachung der Erkrankung, sowie eine Verbesserung der Insulinsensitivität. Je empfänglicher die Zellen auf Insulin reagieren, desto ausbalancierter ist der Blutzucker1.
Nach wie vor nimmt die Fettleibigkeit der westlichen Gesellschaft stetig zu. Übergewicht und Fettleibigkeit führen zu Entzündungsvorgängen im Körper, die zwar nicht von außen sichtbar sind, die Funktionen unseres Organismus aber einschränken und zur Entstehung verschiedener Krankheiten beitragen. Natürliche Substanzen, die diesen Entzündungen entgehen wirken, werden intensiv erforscht. Oleuropein ist Teil der phenolischen Komponenten des Olivenöls, welche auf die entsprechenden Signalwege in unserem Körper schützenden Einfluss nehmen können. Dennoch sind weitere Studien, vor allem am Menschen, nötig, um diese Ergebnisse zu bestätigen.2
Quellen
Allgemeiner Einstieg und Hydroxytyrosol
Tyrosol
Oleuropein
Autorin

